Mittwoch, 11. März 2009

Missverständnisse

Missverständnisse zum Beispiel sind sehr traurig, oder? Wie oft begegnen sie uns dennoch – täglich! Ob wir es wollen oder nicht, sie ereilen uns immer wieder aufs Neue. Können wir etwas dagegen tun? Manchmal. Aber nicht immer, oder sind Sie der Kommunikationskünstler, der immer die richtige Wortwahl und die nötige Sensibilität für ihre Umwelt parat hat? Ich hoffe es für Sie! Aber mal ehrlich: Wenn Sie dies von sich behaupten sollten, grenzt dies dann nicht schon an Blasphemie?

„Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst!“ So heißt es in der Bibel. Aber wenig später bekommen wir mitgeteilt: „Begehre nicht Deines Nächsten Weib!“ Hey, Moment mal! Was ist, wenn mein Nächster eine Frau ist? Dann soll ich sie lieben, wie mich selbst! Aber ich weiß nicht, ob sie nicht vielleicht schon das Weib eines anderen Nächsten ist, oder? Schwierige Sache, mit der Nächstenliebe! Vielleicht könnte man sich hierzu mal bei der Kirche einige Gedanken machen, um uns Sündern dies näher zu bringen. Eine Art Leitfaden für den Umgang mit dem und der „Nächsten“! Sollen wir vorher fragen, ob vielleicht noch ein Nächster hinter der nächsten Ecke lauert, der unsere Nächstenliebe mit der nächsten Tracht Prügel ahnden wird? Ich weiß es nicht. Aber es wäre schön zu wissen.

Missverständnis und Unverständnis sind Brüder! Oder besser gesagt Schwestern, denn sie haben die eigentlich typisch weibliche Eigenschaft, das über kaum etwas so viel geredet wird, wie über sie! Und dennoch führt das Eine meist mit tödlicher Sicherheit zum Anderen! Sie bedingen sich gegenseitig! Sie ereilen uns stets im Doppelpack, wie siamesische Zwillinge. Und ich möchte bei der Gelegenheit daran erinnern, dass Unverständnis schon des Öfteren zu größeren Katastrophen menschlicher Geschichte geführt haben!

Unverständnis über Äußerungen eines Politikers jedoch sind durchaus erwünscht! Ja, sie sind sogar Programm! Denn dadurch können Politiker später immer genau das Gegenteil dessen behaupten, was sie einige Zeit vorher noch gesagt haben! Politik ist also "gewolltes Missverständnis"! Und da diese Anforderung so verdammt hoch ist, brauchen hohe Politiker auch immer einen Stab von mehreren Beratern, die ihnen das Handwerkszeug zu weiterer Verwirrung und konstruktivem Unverständnis liefern! Aber bitte alles politisch korrekt verpackt! Damit später niemand erfolgreich in die eine oder andere Richtung interpretieren kann. Und doch versuchen die Medien genau das täglich! Ich sagte bereits: Sie begegnen uns täglich! Die Missverständnisse dieser Welt. Auch im zwischenmenschlichen Bereich!

Der Zwischenmenschliche Bereich! Oder genauer gesagt: Das Missverständnis zwischen Mann und Frau! Eigentlich müsste die „Frau“ zuerst genannt werden, aber ich habe diese Redewendung so kenne gelernt – auf dem vorher erwähnten humanistischen Bildungsinstitut, das sich übrigens noch nicht mit einer rechtlichen Freizeichnungsklausel bei mir gemeldet hat. Viele sehr bekannte „Comedians“, Satiriker oder Zeitkritiker haben sich dieses Themas bereits mehrfach angenommen, also werde ich Ihre Nerven nicht unnötig in diesem Zusammenhang strapazieren. Aber einiges soll in diesem Zusammenhang erwähnt werden, um meinem Konzept Rechnung zu tragen: „Mann“ ist halt nicht, was „Frau“ gerne hätte und umgekehrt! Jetzt wissen Sie, warum ich bei der eigentlich falschen Reihenfolge der Nennung der Geschlechter verblieb. Anders herum wäre es dem weiblichen Geschlecht gegenüber noch sehr viel negativer ausgefallen, als es ohnehin schon ist. Ein so genannter Promi hat ja in diesem Zusammenhang sogar ein Wörterbuch auf den Markt gebracht: „Frau – Mann / Mann – Frau“! Ja brauchen wir das wirklich? Abgesehen von der sehr amüsanten Lektüre dieses kleinen Buches, finde ich es sachlich absolut korrekt, womit mich alle weiblichen Leserinnen nun wahrscheinlich endgültig in eine gedankliche Schublade verfrachten, in der es mir sehr unwohl werden müsste. Glücklicherweise sieht man mir diese Meinung nicht direkt an.

Das größte Missverständnis zwischen Mann und Frau ist doch die Institution Ehe an sich, oder? Neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge, sind Menschen nicht für die Monogamie geschaffen! Wir handeln also seit Jahrhunderten gegen unsere ureigenste Natur, wenn wir uns gegenseitig ewige Treue versprechen. Tja, die liebe Frau Pauli hat dies erkannt und einen Ausweg formuliert. In diesem Zusammenhang ist der Begriff „fremdgehen“ also völlig fehl am Platze! Wir sollten besser einen Ersatz-Begriff prägen, der den neuen Erkenntnissen Rechnung trägt. Hmm, wenn wir beim Vorgang des „Fremdgehens“ eigentlich nur unserer natürlichen Veranlagungen Tribut zollen, dann wäre es sicher treffender, den Begriff „Natur“ in diesem neuen Ersatzbegriff wieder zu finden! Sie merken schon, ich mache gerade, wofür wir Deutsche weltweit bekannt sind und bewundert werden: Ich füge bereits vorhandene Begriffe der deutschen Sprache möglichst sinnvoll aneinander, um damit einen neuen Umstand zu beschreiben! Aufgefallen ist mir dies bei einem längeren Aufenthalt in den USA. Mit meinen damals sehr beschränkten Kenntnissen der dortigen Sprache (liebe Grüße an alle meine ehemaligen Englischlehrer), fiel es mir oft leicht, den entsprechenden deutschen Begriff in seine Bestandteile zu zerlegen und die jeweilige Teilvokabel ins Englische zu übersetzen. Dort angekommen, setzte ich diese einzelnen Vokabeln wieder zusammen und gab diese, meine persönliche englische Vokabel, verbal zum Besten! Ja! Zum Besten! Denn zu 99% erntete ich damit einen Lacher, ein fröhliches Lächeln und beste Laune, sowie die passende englische Vokabel, die sich alsdann auch fest in mein Hirn einbrannte! Hätte ich das als Schüler geahnt, wären mir all diese schrecklichen Erlebnisse bei und mit den Vokabel-Tests erspart geblieben!

Wenn ich mir nun den letzten Absatz nochmals ansehe, dann erscheint mir meine Beschreibung sehr unverständlich. Lassen Sie mich also versuchen, an einem Beispiel den Sinn meiner Worte klar zu machen:
Im Deutschen besteht ja die Tendenz, bereits vorhandene Wörter ihrer Bedeutung entsprechend so aneinander zu reihen, dass sie möglichst präzise dem neuen, gesuchten Begriff entsprechen. Hmm, das kommt mir bekannt vor! Ach ja, das habe ich etwas weiter oben bereits von mir behauptet. Nun gut. Also nennen wir unseren Gartenzaun deswegen Gartenzaun, weil dieser beschriebene Zaun unseren, oder den Garten irgendjemand Anderes, umzäunt. Dementsprechend gibt es bei uns auch einen Bauzaun, einen Drahtzaun, einen Holzzaun, einen Absperrzaun, einen Schutzzaun und weitere! Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Im amerikanisch-englischen Sprachgebrauch gibt es für „den Zaun“ einen Begriff: „Fence“. Fertig aus. Nix mit „garden-fence“, aber jeder Amerikaner, den ich mit dieser typisch deutschen Zusammensetzung konfrontiert hätte, hätte dennoch sofort verstanden was gemeint gewesen wäre und Einige haben sogar die Präzision an unserer Sprache bewundernd zum Ausdruck gebracht. Dort werden eher neue Wörter komplett aus der Retorte erschaffen, die dann andere Arten von Zäunen beschreiben. Aber um dies zu belegen fehlen mir nun Beispiele. Ich überlasse dies besser den Sprachwissenschaftlern unter Ihnen. Manchmal sogar leihen sich Amerikaner Wörter anderer Sprachen, die ihnen einleuchtend erscheinen. So erfolgt die Unterbringung von Vorschulkindern im dort so genannten „Kindergarden“, was wohl ein Überbleibsel ihres Besuchs in Deutschland während des zweiten Weltkriegs zu sein scheint. Hierzu gibt es keine Missverständnisse mehr, oder?
Obwohl, wenn wir mal ehrlich sind, ist es dann überhaupt notwendig, stets so präzise darzustellen was wir meinen? Wenn wir mit unserem Nachbarn am Gartenzaun plaudern und ihm ein Kompliment zu seinem neuen Exemplar machen wollen, dann ist der Begriff „Gartenzaun“ doch eigentlich ein verbaler, ausdruckstechnischer „overkill“, oder? Oder könnte es sein, dass unser eben erwähnter Nachbar die Nutzung des schlichten Begriffs „Zaun“ missverstehen könnte? Ich denke nicht. Er wird im geografischen Umfeld seines Gartens automatisch an seinen „Gartenzaun“ denken, auch wenn wir nur den Begriff „Zaun“ benutzen. Wir tun es meist dennoch, weil wir Missverständnissen entgegen wirken wollen, denn wir hassen sie.

Aber zurück zu meinem Versuch, diesem so negativ behafteten Ausdruck „fremdgehen“ ein neues, natürliches und wissenschaftlich belegtes Kleid zu verpassen. Wenn der Vorgang an sich, ein an sich natürlicher ist und lediglich unserer Natur entspricht, dann sollte in dem zu erwartenden neuen Begriff auf keinen Fall der Teilbegriff „Trieb“ darin vorkommen, denn auch dieser ist stark negativ belastet! Es geht ja dabei letztlich um ein natürliches Bedürfnis! Nein, nicht was Sie jetzt gerade assoziiert haben. Aber Sie haben Recht! Es gilt bei unserer Wortschöpfung diese Assoziationskette ebenfalls auszuschließen. Und praktischer Weise sollte der neue Begriff nicht länger sein, als der bisher benutzte. Also, wie bringt man „natürlich“ und „Sex“ zusammen? Und damit meine ich nicht dessen Ausführung in eben erwähnter Natur, denn meistens geht man ja nicht „outdoor“ fremd. Aber andererseits ist es auch gleich, ob der Vorgang drinnen oder draußen stattfindet. „Fremdgehen“, oder wie manche auch sagen: „betrügen“. Warum immer so negativ, wenn es doch unsere wissenschaftlich nachgewiesene Bestimmung ist. Na ja, unsere Kultur verbietet uns wohl, so zu denken. Aber Herr Becker oder Herr Bohlen, die beiden großen „B“ in Deutschland, erlauben sich doch auch völlige kulturelle Freiheit in dieser Hinsicht! Ich habe mal gehört, in Österreich nennt man es „fremdeln“! Eine deutliche Verniedlichung im Vergleich zur deutschen Begrifflichkeit. Auch „schnackseln“ wurde in diesem Zusammenhang schon einmal erwähnt. Also wie bringen wir die Natürlichkeit des körperlichen Miteinanders zum Ausdruck, ohne dabei das negative Image beizubehalten? Wir wollen ja auch der Tatsache Rechnung tragen, dass dies außerhalb einer bereits bestehenden Partnerschaft geschieht! Sie sehen, die deutsche Sprache ist so verdammt präzise, dass sie uns manchmal daran hindert, einen an sich einfachen Vorgang einigermaßen wertfrei zum Ausdruck zu bringen. Wir sind also sozusagen „sprachgehemmt“ im Umgang mit höchst natürlichen Vorgängen unseres Lebens! In anderen Ländern lässt man sich nicht so einfach einengen! Dort wird schlicht ein neuer Begriff geprägt. „Schnackseln“ z.B. oder „fremdeln“! Ich gebe also an dieser Stelle auf und warte sehnsüchtig auf Ihre Vorschläge zur Lösung des Problems, wobei ich sehr wahrscheinlich nur von Männern produktive Vorschläge erhalten werde, während die Damen mir eher meine Argumentationskette übel nehmen werden und mich als „Macho“ abstempeln. Allerdings – genau betrachtet gibt es auch viele Frauen die „fremd schnackseln“ und vielleicht fällt Ihnen zu diesem Thema etwas ein.

Missverständnisse gibt es natürlich nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Frau und Frau, Mann und Mann, Sohn und Mutter, Mutter und Tochter, Kind und Vater, Lehrer und Kind und sehr häufig Lehrern und Eltern, sowie unter Arbeitskollegen, Sportfreunden oder sonst wie zusammenkommenden Menschen. Mit anderen Worten: Missverständnisse gehören zum Menschen! Hmm, ist dies denn nun ein Kriterium für den Unterschied zwischen Mensch und Tier? Nein! Dies wäre ein Missverständnis! Auch Tiere streiten sich, z.B. um Futter oder um einen potentiellen Partner, womit sich Tiere wiederum dem Menschen in seinen Problemen nähern, nur ohne jemals den Begriff „fremdgehen“ benutzt zu haben! Jetzt wird es verwirrend! Es kann sich nur um ein Missverständnis handeln, wenn man Mensch und Tier auf eine Stufe stellt! Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede! Da fällt mir auf: jene Sprache, die uns beim „fremdgehen“ so negativ wertet, ist Teil unserer Kultur, welche uns wiederum vom Tier unterscheidet, wobei wir uns bei der Ausführung der eigentlichen Tätigkeit, dem Tier eigentlich annähern! Grrr, sehr verwirrend sogar!

1 Kommentar:

  1. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach:
    Der Mensch ist ein Herdentier. Sucht sich der Mensch andere Menschen mit gleicher Überzeugung, so kann der Mensch "fremdgehen", wie er will, denn seine Herde akzeptiert das. Polygamie oder Polyamourie ist hier vielleicht ein nützliches Stichwort.

    Sucht sich der Mensch jedoch eine Herde aus, die ein Bedürfnis nach "Fremdgehen" gar nicht verspürt, sondern selbiges verurteilt, so hat der Mensch sich die falsche Herde ausgesucht.
    "Gleich und gleich gesellt sich gern", nutze ich an dieser Stelle immer wieder gern, um deutlich zu machen, wie sehr der Mensch sich doch nach dem bereits Vertrauten sehnt. Der Mensch, der ehrlich zu sich selbst ist, sollte spätestens dann erkennen, dass er einer neuen Herde bedarf, wenn in der Alten keiner mehr seine Sprache zu sprechen scheint (hier meine ich sowohl gedanklich, als auch verbal). Das Bedürfnis des "Fremdgehens", der Wunsch NEUES zu erobern...Abenteuer zu erleben...das ist möglicherweise legitim, da es biologisch verankert zu sein scheint. Nicht aber legitim ist, diesen Wunsch seinem Umfeld aufzuzwingen. Durchaus gibt es nämlich Menschen, die vielleicht den Wunsch verspüren, sich kurzfristig aus der Monogamie zu stehlen, dennoch gibt es einen biologisch bedeutenden Unterschied, der an dieser Stelle greift, zwischen dem Menschen und dem Tiere:
    Das menschliche Gehirn.
    Mit einer bedeutend höheren Verknüpfungsanzahl von Synapsen, erlaubt es uns, unser Handeln frei von Triebgesteuertheit zu beeinflussen und zu kontrollieren. Es erlaubt uns bewusste Entscheidungen zu treffen, die nicht nur auf Instinkt basieren.
    Es liegt also weiter an dem Menschen, der unbedingt "fremdgehen" will, dass er damit die Menschen in seiner Herde enttäuscht und verletzt, hätte er doch sowohl die geistige Kontrolle über sein Handeln, als auch die verbale Fähigkeit der Äußerung.
    Bei aller biologischen Begründung für einen Lebenswandel gegen die Monogamie, bleibt also zu klären, weshalb es Menschen gibt, die durchaus in Monogamie leben, dies auch möchten und überhaupt nicht thematisieren, weil es sich für sie natürlich anfühlt und Menschen, die sich dazu nicht in der Lage sehen und tatsächlich der Auffassung sind, dass man dies Handeln biologisch begründen kann und es somit akzeptabel wird.

    Dies ist ein Trugschluss, lieber Zyniker-Mike.
    Ein Mensch ist niemehr ganz ein Tier.
    "Mit großer Macht geht große Verantwortung einher", um einmal aus einem bekannten Film zu zitieren. Der Menschliche Geist ist vielleicht nicht mit einem Spinnenbiss und Superkräften zu vergleichen, dennoch gibt er uns die Möglichkeit, anders als einigen Tieren, nicht instinktiv und tirebgesteuert zu handeln. Daher hat man als Mensch in einer monogamen Beziehung die Verantwortung, das Verhältnis zu schützen und von einem Seitensprung abzusehen. Ist es dann trotzdem passiert, so liegt es in der Menschlichen Pflicht und Verantwortung diesen Betrug dem Partner mitzuteilen, um die Ehrlichkeit in einer Beziehung aufrecht zu erhalten.

    Verschweigen ist auch eine Form des Lügens.
    Hat man so etwas in einer Beziehung nötig, dann sollte man gleich die Beziehung beenden, da die Leiden und Schmerzen sonst nur schlimmer werden.

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